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Europa - Schön, dass Sie hier sind!

"Erst die Arbeit, dann die Feier" - by K.W./Abendblatt HH

Sunday, 18.05.2008 04:00 | Projects > Europa - Schön, dass Sie hier sind! | Comments 0

Freischwimmer "Europa"-Party zum Festival-Start auf Kampnagel


by Klaus Witzeling - Artikel in Abendblatt HH


Nach der "Rausch"-Tour durch halb Europa feiern die "Freischwimmer"-Regisseure mit ihren Stücken "Heimkehr" auf Kampnagel. "Aber wo sind sie und wir eigentlich zu Hause?", fragt sich das Wiener Performance-Kollektiv God's Entertainment und veranstaltet am Sonnabend ab 22.30 Uhr die Klub-Party "Europa - Schön, dass Sie hier sind!

Sechs Produktionen zum Thema "Rausch" präsentiert das Gemeinschaftsprojekt von Berliner Sophiensälen, Freiem Forum Theater Düsseldorf, Theaterhaus Gessnerallee in Zürich, brut Wien und Kampnagel bis 24. Mai. Zum Auftakt sucht die Fräulein Wunder AG aus Hildesheim wild entschlossen nach "Satisfaction" (17., 18.5., 19.30 Uhr) und White Horse animiert tanzend zum "Trip" (17., 18.5., 21 Uhr).

Selber tanzen können die Besucher der "Europa"-Party. Jeder ist eingeladen einzureisen - vorausgesetzt er hat die richtigen Papiere. Die Performer haben vorgesorgt. Grenzbehörden und Arbeitsamt erwarten wohl gerüstet mit Formularen und Stempeln die Gäste. Hilfspersonal wurde vor Ort angeheuert. "Wir haben etwa 40 Statisten ausgesucht, denn unser interaktives Theater bezieht die jeweilige Stadt oder Lokalität ein", erklärt Boris Ceko. Der Theaterwissenschaftler und Architekturstudent Simon Steinhauser gehört zum Kreativ-Kern des Entertainment-Pools.

"Wir Performer sind das Arbeitsamt und vergeben die Jobs", sagt Boris. So behalten sie das Regie-Heft in der Hand. "Wir wissen genau, was wir vermitteln, und schaffen so absurde oder surreale Szenen im Raum oder Feiergetümmel." Ohne mit den Animateuren zu probieren, inszenieren sie entlang einer festgelegten Struktur und Ivana Sajkos "Europa"-Stück ihre Themen-Fete, die Zustände in der EU kritisiert. "Aber ohne erhobenen Zeigefinger", meint Simon. "Unser Publikum kommt durch kleine Zwischenfälle von selbst ins Nachdenken."

Den dazugehörigen Stoff -das Grübel-Bier oder den landesüblichen Schnaps - muss es sich aber verdienen. Als Gogo-Tänzer, Karaoke-Sänger, Strip-Mieze oder bei der "Miss Europa"-Wahl. "Das sind die Jobs, um die Party in Schwung zu halten", meint Simon und versichert: "Niemand wird gezwungen, etwas zu machen." Es gibt noch "politische Jobs": Demonstranten, Redner oder Interviewer. "Wir brauchen uns als Auftraggeber jedenfalls nie einen Vorwurf zu machen, wenn etwas schiefläuft", witzelt Simon. "Ist doch super!" Wie in der Wirklichkeit: Für ihren Spaß sind die Europäer doch schließlich selbst verantwortlich.

erschienen am 17. Mai 2008 in Abendblatt HH


©photo: toni t

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