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Passantenbeschimpfung

GEs Passantenbeschimpfung nach Handkes Publikumsbeschimpfung

Tuesday, 25.11.2008 18:02 | Projects > Passantenbeschimpfung | Comments 0

Es gibt kein Haus, keinen abgetrennten Raum, keine Bühne, keinen Zuschauerbereich - kein gewohntes Theaterumfeld. Der Theaterkörper im Sinne der Räumlichkeit ist verschwunden.


GEs Passantenbeschimpfung nach Handkes Publikumsbeschimpfung

„...denn mir ist plötzlich klar geworden, dass die Zeit vorbei war, Menschen in einem Theater zu versammeln, selbst um ihnen Wahrheiten zu sagen und dass man mit der Gesellschaft und ihrer Öffentlichkeit keine andere Sprache mehr sprechen kann als die der Bomben, der Maschinengewehre, der Barrikaden und allem, was daraus folgt.“ (Antonin Artaud)

Artauds Sichtweisen über das Theater – die Loslösung des Körpers, der Stimme und der Sprache vom Text der jeweiligen Aufführung, werden im Kontext von Peter Handkes Publikumsbeschimpfung – weiters als Passantenbeschimpfung genannt- als primäre Hauptziele gesehen. Die Loslösung des Körpers stellt einerseits ein Negieren des üblichen Schauspiel-Settings mittels Schauspieler, Performer, etc. als Körper dar. In Handkes Publikumsbeschimpfung übernehmen immerhin Schauspielerkörper die tragenden Schlüsselrollen um den Text zu vermitteln. Der Zuseher ist sozusagen der Bediente. Im Falle der Passantenbeschimpfung wird dieser Körper aufgelöst indem er von Beginn erst gar nicht erschaffen wird. Es existiert kein Unterschied mehr zwischen Publikum und Darsteller. Das Publikum wird zum Darsteller.



Andererseits wird das gewohnte Setting des Theaters aufgegeben. Es gibt kein Haus, keinen abgetrennten Raum, keine Bühne, keinen Zuschauerbereich - kein gewohntes Theaterumfeld. Der Theaterkörper im Sinne der Räumlichkeit ist verschwunden.

In Handkes Publikumsbeschimpfung liegt der Schwerpunkt im Status und in der Position oder Opposition des Publikums im vorhandenen öffentlichen Raum. Das Publikum ist gleichermaßen die Institution der Passivität. Es sitzt und lässt über sich ergehen, oder geht. Handkes Ansatz macht so die Irrelevanz des Publikums im traditionellen Theater deutlich. Vor allem im klassischen Theater-Raum.
Darüber hinaus will die Passantenbeschimpfung mit dem Schritt in den öffentlichen Raum diese Frage neu aufwerfen. Wie verhalten sich Publikum und Akteure wenn sie nicht mehr als solche verstanden werden können? Inwieweit wird man diese Passivität des Publikums noch erkennen können wenn das herkömmliche Setting des Theaters fällt? 
Der zur Aufführung angedachte öffentliche Raum, die Wiener Karlsplatzpassage ist ein Schmelztiegel verschiedener gesellschaftlicher Schichten und dient als geographisches wie auch als künstlerisches Zentrum Wiens. In der Performance soll vor allem der Ort Karlsplatz in Verbindung mit seinem transferierbaren Charakter erforscht werden. Welche Möglichkeiten gibt es durch die Inszenierung, vom Raum (Rondell bis Ausgang Resselpark) Besitz zu ergreifen, ihn in Theaterraum bzw. Präsent-(tations)raum zu verwandeln? Wie lässt sich ein öffentlicher Raum, durch das Fehlen aller für eine Theatervorstellung nötigen Stützen wie Bühne, Sitze, Ordner, ausgebildete Schauspieler, etc… adaptieren?
Die Performance wird neben dem sprachlichen Teil des Vortragens des Textes (der durch anwesenden Passanten verlesen wird) weiters parallel den installativen Charakter eines vor Ort gebauten Wiener Miniatur-Burgtheaters erzeugen. Dieses selbstgebaute Wiener Miniatur-Burgtheater als Symbol der starren/unbeweglichen Stellung eines Hauses als Spiel- und Produktionsstätte, soll durch die Umsetzung des Stückes im öffentlichen Raum seiner Wirkung sozusagen sinnbildlich entzogen werden. Der Bau dieses neuen, kleinen Wiener Burgtheaters, vermittelt während der Performance (1-2 Std) durch Hinweisschilder zu Baubeginn, Bauende, Bauleitung, ArchitektIn, etc. (bekannt von Projektschildern auf Baustellen) die Möglichkeit eines Entstehens eines täglich neuen (Burg)theaters des 21. Jahrhunderts und stellt so die Position des bestehenden, gebauten Wiener Burgtheaters als ein national-traditioneller Wiener Haupt-Kulturproduzent in Frage. 
Ziel ist so dem Kunstraum Karlsplatz für 8 Vorstellungen der Geist eines Theaters (im öffentlichen Raum) zu geben – und gleichermaßen aufzuzeigen, daß es möglich ist, die Vorstellung ad hoc zu inszenieren.

Die Zentralisierung der Dezentralisierung:
Über Kameras werden die jeweiligen, sich in verschiedenen Bereichen der Passage befindenden Darsteller, mittels Kameras auf einer Projektionsfläche medial zusammengetragen und dem passierenden Publikum präsentiert, um so den Ablauf des Stücks in seiner Gesamtheit verfolgen zu können.



Video hier



Mit freudlicher Unterstützung der MA7 - Stadt Wien


Im Kooperation mit brut-wien


Photograph: Peter Mayr

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